Der Startschuss für SüdOstLink ist gefallen

Der Startschuss für SüdOstLink ist gefallen

Mit dem größten Erdkabelprojekt der Welt werden neue Rekorde erzielt

28 Januar 2021

Ein multikulturelles Team von rund 30 Mitarbeitern unter der Leitung von Francesco Gravame arbeitet an der Vermessung, Genehmigung und Kartierung der 250 Kilometer langen Trasse - dem ersten von drei großen Erdkabelprojekten, die Deutschland bei der Energiewende unterstützen.

Ein LKW mit einer Kamera auf dem Dach fährt durch Bayern und fotografiert hunderte Kilometer Straßen in Süddeutschland. Google Maps? Nein, es ist die Prysmian Group, die die Trasse für einen Teil der drei gewaltigen unterirdischen Kabelverbindungen vermisst, um Europas größter Volkswirtschaft den Übergang zu sauberen, erneuerbaren Energiequellen zu ermöglichen.

Die Vermessung der Straßen entlang der 250 Kilometer langen Trasse des SüdOstLink ist eine der ersten Aufgaben für Francesco Gravame, dem Projektleiter der Prysmian Group SuedOstLink, während er und sein Team von etwa 30 Mitarbeitern mit dem weltweit größten unterirdischen Kabelprojekt beginnen, das als die deutschen Korridore bekannt ist. SüdOstLink und zwei weitere Projekte (SüdLink und A-Nord) umfassen insgesamt 5.130 Kilometer Gleichstrom-Erdkabel, die ab 2026 saubere Windenergie von der Nordsee - wo die Windkraftkapazität wachsen wird - zu Millionen von Nutzern und Fabriken im Süden transportieren werden, wenn Kohle- und Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

"Die deutschen Korridore werden die technische Realisierbarkeit von Erdkabeln über große Entfernungen als Beitrag zur Energiewende in Europa demonstrieren. Sie sind eine Alternative zu Freileitungen, die zwar einfacher zu installieren sind, aber aufgrund von Schwierigkeiten bei der Erteilung von Genehmigungen oft länger dauern", sagt Gravame.

Der SüdOstLink ist von der Europäischen Union als Projekt von gemeinsamem Interesse (PCI) eingestuft worden. Das Projekt ist somit verantwortlich für die anhaltende Sicherheit der Energieversorgung sowie die Entwicklung und Förderung der erneuerbaren Energien auf europäischer Ebene.

Die Prysmian Group ist ein Unternehmen, das es gewohnt ist, Rekorde aufzustellen und neue Meilensteine zu erreichen. SüdOstLink wird da keine Ausnahme sein. Prysmian hat bereits viele große unterirdische Landinstallationen durchgeführt, aber dieses Projekt wird zusammen mit den beiden anderen deutschen Korridoren das bisher größte dieser Art sein. Für alle drei Projekte wird Prysmian insgesamt etwa 2.300 Kilometer HGÜ-Energiekabel verlegen, was etwa 44 % der insgesamt benötigten Kabel entspricht. SüdOstLink wird das Debüt der ± 525 kV P-Laser Technologie sein, die zum ersten Mal eine übertragbare Leistung von mehr als 2GW auf einem einzigen System ermöglicht.

P-Laser - eine von Prysmian selbst entwickelte Isolationstechnologie - ist die erste zu 100 % recycelbare, umweltverträgliche Hochleistungskabeltechnologie auf Basis von HPTE (High Performance Thermoplastic Elastomer). Diese Technologie benötigt keine Nachbehandlung wie Entgasung, was die Produktionszeit verkürzt und die CO2-Emissionen in der Produktion um 30% senkt.

Im Auftrag des Netzbetreibers TenneT wurde mit SüdOstLink der erste der drei Korridore in Betrieb genommen. Dieses Kabel verläuft von Sachsen im Herzen Deutschlands nach Süden zum Isarkraftwerk bei München und wurde von der Europäischen Union als "Projekt von gemeinsamem Interesse" anerkannt.

 

Francesco Gravame hat mit Unterstützung der Mitarbeiter aus Mailand und Deutschland letzten Sommer SüdOstLink zum Laufen gebracht, indem er ein eigenes Büro in Bayreuth - in der Nähe der deutschen Niederlassungszentrale des Kunden Tennet - einrichtete und vor Ort ein multikulturelles Team von etwa 30 Mitarbeitern rekrutierte.  Mit den Verantwortlichen von Prysmian, dem Hauptsitz in Mailand und regionalen Abteilungen hielt er im Herbst ein eintägiges persönliches "Kickoff"-Treffen in Bayreuth ab, damit sich die Mitarbeiter des sechsjährigen Projekts kennenlernen konnten.  Fragen des Projektmanagements, KPIs, Berichts- und Benachrichtigungsverfahren wurden identifiziert und festgelegt. Wegen der Pandemie waren die Mitarbeiter jedoch gezwungen, auf Fernarbeit umzustellen.

Das SüdOstLink Prysmian Team, F&E, Systemdesign und Fertigung haben einen Typentestplan entwickelt, der notwendig ist, um die P-Laser-Technologie mit dem Kupfer-Leiter weiter zu validieren. Dieser Plan umfasst mehrere Aktivitäten. Neben dem Entwurf des Typentests selbst umfasst der Prozess die Konstruktion, die Produktion einer Kabeltranche, das Zubehör, die Durchführung aller propädeutischen, routinemäßigen Tests - und nicht zuletzt die Schulung der Monteure an diesem neuen Produkt.

Einige dieser Aktivitäten sind bereits abgeschlossen. Derzeit wird im Werk Gron der Prysmian Group eine 3000 mm2 große Kupferkabeltranche produziert. Diese Phase wird als "zweite Industrialisierung" bezeichnet und folgt auf einen vorangegangenen Industrialisierungstest an einem P-Laser-Kabel aus Aluminium. Zubehör, Verbindungen und andere Merkmale werden ebenfalls propädeutischen, routinemäßigen Tests unterzogen, die notwendig sind, um den Typentest abzuschließen. Der eigentliche Typtest wird Anfang Januar 2021 beginnen.

Die Planung, Organisation und Durchführung des Typentests erfordert sowohl technisches als auch Projektmanagement-Know-how, da die verschiedenen beteiligten Labore und Fabriken koordiniert werden müssen: Gron (FR), Bishopstoke (UK), Livorno (IT), und Mailand (IT).

Jetzt hat das SüdOstLink-Team die Phase des Kabeldesigns fast abgeschlossen, und der Plan für die Typprüfung hat seine letzte Phase begonnen. Das Team beginnt, sich mit der Komplexität der Installation von 500 Kilometern Kabel auseinanderzusetzen - eine Herausforderung, von der Francesco mit ein wenig Understatement sagt, sie sei "nicht zu vernachlässigen".

 

"Es gibt eine Menge Interaktion mit dem Kunden und der lokalen Gemeinde, sowie logistische und technische Herausforderungen beim Design", erklärt er. "Wir definieren den Prozess, um Routing-Daten von Seiten des Kunden und der deutschen Behörden mit der Logistik und dem Design für die Installation zu integrieren."

Auch die logistische Erhebung ist anspruchsvoll. Die in Gron produzierten Kabel werden per Seefracht zum Zwischenlager (ISA) in Deutschland geliefert und von dort aus werden die jeweils bis zu 70 Tonnen schweren Trommeln per Lkw zu verschiedenen Installationsorten entlang eines Korridors in Deutschland transportiert. Da es sich hierbei um übergroße Ladungen handelt, benötigt jeder einzelne Lkw eine Genehmigung. Von den insgesamt 160 Genehmigungen wurden ca. 150 vorbereitet und beantragt, 45 Genehmigungen sind bereits erteilt. Zusätzlich zum Genehmigungsverfahren führt ein Lkw eine Vermessung mit Kamera durch, um den Straßentransport so gut wie möglich zu simulieren.

"Wir simulieren so viel wie möglich, um uns auf den Tag vorzubereiten, an dem wir das Kabel anliefern; wir müssen wissen, welche Straße zu benutzen ist und welche Genehmigungen erforderlich sind", sagt er.

Das Team bereitet sich jetzt auf die Planung der Installation vor. Mehr dazu später an dieser Stelle!